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Atemtherapie & Außerklinische Beatmung

Atemstörungen bei neuromuskulären Erkrankungen

Beatmung

Mobilität und Beatmung schließen sich nicht aus.

Mögliche Folge einer neuromuskulären Erkrankung ist eine zunehmende Schwächung der Atemmuskulatur. Zu den Sekundärauswirkungen dieser Beeinträchtigung zählen

  • Störungen des Ventilations-Perfusions-Verhältnisses
  • Sekretanhäufungen durch mangelnde körperliche Bewegung und langes Verharren in einer Position
  • zunehmende Steifigkeit der Lungen und des Thorax wegen fehlender tiefer Atemzüge.

Ob eine geschwächte Atemmuskulatur durch atemgymnastisches Training gekräftigt werden kann, ist ungewiß. Dennoch sollte frühzeitig und konsequent auf eine unbehinderte Atmung geachtet werden, um eine ventilatorische Insuffizienz aufgrund der Ermüdung der Atemmuskulatur so lange wie möglich zu verzögern. Im Frühstadium der Grunderkrankung ist analog zu einer dynamischen Muskelbehandlung ein regelrechtes Training der Atem- und Atemhilfsmuskulatur angezeigt.

Im Spätstadium der Erkrankung ist ein Trainieren der Atemmuskulatur nicht mehr möglich. Der Behandlungsspielraum reduziert sich auf Maßnahmen, die die Atembewegung, die Sekretlimination und den Hustenmechanismus unterstützen.

Bei ventilatorischer Ateminsuffizienz sind Maßnahmen, die die Atembewegung extrem beanspruchen, kontraindiziert. Hier ist eine zeitweilige Ruhigstellung der Atemmuskulatur mit Hilfe eines Atemgerätes erforderlich.

Atemstörungen

Störungen der Atemfunktion treten bei Menschen mit neuromuskulären Erkrankungen meist im Sinne einer mechanischen, restriktiven Atemstörung auf. Diese ist verbunden mit einer Verminderung der Vitalkapazität. Zudem entwickelt sich ein erhöhter Kohlendioxidgehalt im Blut (Hyperkapnie), im Verlauf dann ein erniedrigter Sauerstoffgehalt (Hypoämie).

Zur Schwächung der Atemmuskulatur kann es bei Kindern und Erwachsenen verschiedenen Phasen der Grunderkrankung kommen. Dabei handelt es sich nicht um eine Erkrankung der Lunge, sondern um eine behandelbare Störung der Atemmuskelfunktion.

Die mangelhafte Belüftung der Lunge bringt eine erhöhte Gefahr für Infektionen der Atemwege und der Lunge mit sich, die wiederum die Atemfunktion sekundär beeinträchtigten können. Schluckstörungen können zusätzlich zu einer vorhandenen Atemstörung, aber auch unabhängig davon aufteten und zu einer erhöhten Gefahr des Verschluckens (Aspiration) führen. Bei Zusammentreffen von Schluckstörungen und gemindertem Hustenstoß besteht die Gefahr eines akuten Erstickungsnotfalls durch Verschlucken.

Atemtherapie

Menschen mit neuromuskulären Erkrankungen profitieren von physiotherapeutischen Behandlungskonzepten auf neurophysiologischer Grundlage und sollten möglichst Therapeuten aufsuchen, die auf dem Gebiet der Neurologie qualifiziert und erfahren sind. Ziel der Atemtherapie ist es, mittels Schulung der Atemwahrnehmung die Überforderung der Atemmuskulatur zu stimulieren. Je nach Ausprägung der Atemstörung kommen unterschiedliche physiotherapeutische Maßnahmen zur Anwendung. Atemübungen (z.B. Atmen gegen Widerstand, Gähnen, langsames Ausatmen), passive Dehnungen, die Vermittlung atemerleichternder Körperhaltungen im Alltag und die erhaltung der Beweglichkeit des Brustkorbs mittels Brustkorb und Rippenmobilisationen wirken atemunterstützend. Sekretmobilsisation durch passive Maßnahmen (z.B. Klopfungen, Vibrationen) und die Vermittlung effektiver Hustentechniken sind ebenfalls Inhalte der Atemtherapie. Sie werden bei Bedarf ergänzt durch maschinelle Sekretabsaugung und apparative Hustenunterstützung. Eine erhebliche Schwäche der Atemmuskulatur kann durch mschinelle Langzeitbeatmung in häuslicher Umgebung behandelt werden.