Sie sind hier

14.09.2017 | Wissenschaft & Forschung

Edaravone - eine neue Substanz für die Behandlung der ALS?

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde (FDA) hat im Mai die Substanz "Edaravone" zur Behandlung der ALS in den USA zugelassen. Das Medikament war zuvor bereits in Japan und Südkorea verfügbar. Das Medikament zeigt moderade Behandlungseffekte bei Patienten mit beginnender ALS. Edaravone (US-Handelsname "Radicava") ist in Deutschland und Europa noch nicht zugelassen. Die Herstellerfirma Mitsubihi Tanabe Pharma hat auch noch keinen entsprechenden Antrag eingereicht. Das Medikament kann in Deutschland derzeit lediglich über eine internationale Apotheke in Japan bezogen werden. Die Voraussetzungen für eine Kostenerstattung durch die Krankenkassen sind prinzipiell gegeben.

Das Medikament ist allerdings nicht für alle ALS-Betroffenen einsetzbar. Es müssen bestimmte klinische Merkmale vorhanden sein, die nur bei einer Untergruppe der ALS-Betroffenen vorkommen und die Belastungen durch die Verabreichung müssen abgewogen werden. 

Während der Behandlung wird die Symptomzunahme etwas verlangsamt (von 7,5 auf 5,0 bei einer Skala von insgesamt 48 Punkten innerhalb von 24 Wochen). Problematisch ist die komplexe Anwendung - eine intravenöse Behandlung in besonderen Intervallen und Zeiträumen ist erforderlich. Die intravenöse Darreichsungsform ist als Zwischenschritt zur oralen Medikation zu sehen. Behandelnde Ärzte und Patienten werden abwägen müssen, ob die moderate Verminderung der Fortschreitung der ALS, gegenüber der medizinischen und sozialen Belastung, welche sich durch die jetzt noch erforderliche Darreichungsform ergibt, von Vorteil ist.

Die DGM ist in engem wissenschaftlichem Austausch und informiert sobald sich Veränderungen zu Edaravone ergeben werden.