20 Jahre Grußkartenaktion – fast schon eine Lebensaufgabe

DGM-Newsletter 03-2019

Spätestens im Sommer, wenn andere die Sonne genießen, denkt Cäcilia Sander-Berger bereits an Weihnachtsmotive . Seit 20 Jahren ist sie die Frau, die gemeinsam mit ihrem Mann Martin Berger, der im Hintergrund alle technischen Dinge abwickelt, die DGM-Grußkartenaktion betreut . Von der Motivsuche über die -auswahl, über die Gestaltung des dieser Muskelreportausgabe beiliegenden Flyers bis zur Bestellabwicklung liegt die Aktion in ihren Händen . Nicht unerheblich sind die Beträge, die durch dieses ehrenamtliche Engagement jedes Jahr eingebracht werden.

Anlässlich des Jubiläums der Aktion führten wir folgendes Interview mit Familie Sander-Berger.

20 Jahre sind eine lange Zeit, um kontinuierlich an einem ehrenamtlichen Projekt zu arbeiten. Was motiviert Sie für Ihr Engagement?
Es ist unsere persönliche Geschichte und der Wunsch, etwas für Muskelkranke zu tun. Früh haben wir gemerkt, dass wir es mental auf Dauer nicht aushalten, beispielsweise Beratung  zu machen. So  haben wir uns entschieden, etwas für die Bekanntheit und die Finanzen der DGM zu tun.

Wie kam es zur Grußkartenaktion der DGM?
Die Idee entstand 1999 nach dem ersten SMArty-Symposium, an dem wir als damals schon verwaiste Eltern teilgenommen hatten. Zu diesem Symposium waren viele SMA-Familien gekommen, um sich zum ersten Mal persönlich auszutauschen. Kinder erfuhren, es gibt andere Kinder mit dem gleichen Handycap. Es herrschte ein großer Wissensdurst und eine ungeheure Lebensfreude. Am Ende waren alle traurig, dass es schon vorbei war und es bestand der große Wunsch, sich im nächsten Jahr wieder zu treffen. Das konnte aber nur wahr werden, wenn entsprechend viel Geld beschafft werden würde. Auf dem Heimweg machten wir uns Gedanken darüber und kamen zu dem Schluss, dass dies vielleicht unsere Aufgabe sein könnte, denn den anspruchsvollen und oft schwierigen Alltag mit einem muskelkranken Kind hatten wir ja nicht mehr. Wir suchten etwas, womit wir die Leute ansprechen konnten. Wir wollten auch etwas zu bieten haben. Auf Karten sind wir gekommen, weil ich bereits im früheren Berufsleben damit zu tun hatte. Ich war skeptisch, ob die Idee auch durchführbar ist, weil ja zunächst Startkapital gebraucht wird.
Mein Mann sagte damals: „Wir finanzieren das vor – das klappt!“ Wir stellten dem damaligen Bundesgeschäftsführer Herr Ganter  unsere Idee vor. Er hat uns vertraut und machen lassen. Die SMA-Familien haben die erste Aktion zum vollen Erfolg geführt und so viele Spenden eingeworben, dass das zweite SMArty-Symposium tatsächlich stattfinden konnte.

Wie finden Sie Motive und Künstler?
Die ersten beiden Motive waren Tannenbäume. Einmal als Kinderbild und einmal gestaltet von einer Freundin, die Designerin ist. Immer wieder rief ich im Muskelreport dazu auf, die Augen offen zu halten bei Ausstellungen oder selbst gefertigte Werke einzusenden. So wurden mir einige Kontakte vermittelt. So haben wir jedes Jahr eine ansprechende Kollektion präsentieren können: Seit Beginn haben uns 93 große und kleine Künstlerinnen und Künstler mit 146 Motiven unterstützt. Das Besondere ist, dass bis heute jedes Jahr mindestens ein Motiv von einem muskelkranken Kunstschaffenden dabei ist. Alle haben ihre Motive unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Für dieses wunderbare Engagement kann ich nur „Danke!“ sagen. Ich wünsche mir, dass alle auch weiter die Augen offen  halten nach geeigneten Karten-Motiven und mir Kontakte mitteilen und Künstler sich trauen, ihre Werke einzureichen. Das Hauptaugenmerk liegt auf weihnachtlichen und winterlichen Motiven, denn in dieser Zeit werden die allermeisten Karten verkauft!

Welches ist ihre persönliche Lieblingskarte?
Ein  Lieblingsmotiv kann ich nicht nennen. Es gibt ganz viele wunderschöne Motive, zu denen ich interessante Geschichten erzählen könnte. Zwei für mich besondere Karten möchte ich vorstellen:  

 

Karte Schlittenfahrt

2001 brachten wir ein Motiv heraus, das einen humorvollen Umgang mit Muskelkrankheiten zeigt: Damals ein Aufreger – heute selbstverständlich. Das Kartenmotiv zeigte einen Weihnachtsmann mit Beatmungsgerät, der auf einem Schlitten sitzt und von einem Rentier gezogen wird, übertitelt mit „Ein beschauliches Weihnachtsfest und viel Luft für das neue Jahr“. Claudia und Ilona Brandt, Zwillige, die selbst stark betroffen sind, hatten damit ihre Situation dargestellt. Für eine Firma, die Beatmungsgeräte verkaufte, war es die absolut passende Karte für ihre Kunden.

Karte Kinder

Ein zweites Motiv ist die Karte „Kinder“, die 2009 erschienen ist. Sie wurde von einem neunjährigen, betroffenen SMA-Kind im Liegen mit dünnen Faser-Stiften gemalt, beeindruckend.  
 

In den zurückliegenden Jahren konnten Sie viele Unterstützer, Freunde, aber auch Firmen für die immer wieder neuen Kartenmotive gewinnen. Wie hoch ist der Erlös, den Sie durch die Grußkartenaktion erzielt haben?
In den vergangenen zwanzig Jahren sind rund  94.000 Euro als Erlös zu verzeichnen, dazu noch viele Spenden, die ich nicht beziffern kann. Wir hoffen, in diesem Jubiläumsjahr mindestens 10.000 Karten zu verkaufen und dass der Gesamterlös die 100.000-Marke knackt. Ein weiterer Aspekt ist neben dem Erlös aber auch die Werbung  für die DGM. Die Karten-Aktion ist  eine Marketingmaßnahme, die noch Gewinn abwirft – wo gibt es das?

Wofür werden die Einnahmen in der DGM eingesetzt?
Die Einnahmen wurden anfangs ausschließlich  für die Finanzierung des SMArty-Symposiums verwendet, heute wird das Geld dort verwendet, wo es dringend gebraucht wird. Etwa für die Erforschung der vielen seltenen Muskelkrankheiten oder auch im ganz wichtigen Bereich der Beratung Betroffener und ihrer Familien.

Können Sie sagen, wieviel Arbeit Sie jedes Jahr in die Grußkartenaktion investieren?
Zahlen können wir beide keine nennen. Die meiste Arbeit ist zwischen September und Heilig Abend zu erledigen, wenn die Bestellungen abgewickelt werden und mein Mann die Vorlagen für die gewünschten Firmeneindrucke macht, die dann durch unsere Druckerei „teamdruck“ ausgeführt werden. In dieser Zeit werden öfters mal in der Nacht Rechnungen geschrieben und Pakete bepackt. Eine weitere intensive Arbeitsphase ist die Zeit von ca. Ende April bis zum 15. Juli, dem Redaktionsschluss des Muskelreports. In dieser Zeit wird die Kollektion aus den eingegangenen Motiven zusammengestellt und mit der Druckerei überlegt, wie die Karten gestaltet werden. Dann entsteht der Flyer, um rechtzeitig in den Muskelreport eingelegt zu werden, damit alle DGMler die Chance haben, sich zu engagieren, Firmen zu gewinnen, mit Kommissionskarten Aktionen zu machen.

Natürlich sind zwischendurch noch jede Menge „Kleinigkeiten“ zu erledigen. Wir haben nie die Stunden gezählt. Wir tun es, weil es uns eine Herzensangelegenheit ist.

Hilfe und Unterstützung kann jeder gebrauchen, besonders wenn man sich schon sehr lange einer Aufgabe widmet. Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?
Ein Traum wäre, wenn 5 Prozent aller DGM-Mitglieder Karten bestellen würden – dann könnte ich ca. 400 Rechnungen schreiben! Und natürlich wünschen wir uns, dass die Karten-Aktion weiter besteht, auch wenn wir einmal nicht mehr dabei sind.

Vielen Dank für das Interview.

Liebe Familie Sander-Berger, die DGM hat Ihnen bereits die goldene Ehrennadel überreicht. Die größte Wertschätzung ihres Engagements liegt aber sicher darin, dass viele Bestellungen eingehen. Im neuen Mitgliedermagazin "Muskelreport" ist der neue Flyer mit vielen neuen Motiven beigelegt. Im Shop auf unserer Webseite sind ebenfalls die neuesten und beliebten ältere Motive zu finden. Kartenwünsche können so gleich abschickt werden können, noch dazu mit 10 Prozent Frühbestellerrabatt bis zum 31. Oktober 2019.

Auf Ihre Bestellungen und auf die Beantwortung Ihrer Fragen rund um die Grußkarten-Aktion sowie die Versendung weiterer kostenloser Flyer freut sich:
Cäcilia Sander-Berger, Lindelstraße 11, 55452 Guldental, Tel. 06707 7232 abends oder morgens bis 8.15 Uhr,  Fax 07665 9447-20, caecilia.sander-berger [at] dgm.org
Bestellungen rund um die Uhr: www.dgm.org/publikationen