2005

08.10.2005

Mitgliederversammlung des Landesverbandes Sachsen am 8.10.2005

Der Termin war lange bekannt, jederzeit in der hervorragend neu gestalteten Homepage nachzulesen, die persönlichen schriftlichen und fristgemäßen Einladungen erinnerten, das Berufsförderungswerk bot den bewährten günstigen Rahmen. Begrüßendes Händeschütteln kommt wenig vor, Umarmungen - wie sonst bei Freunden üblich - fallen meist weg. Aber freundliche Worte und Augen-Blicke schaffen sofort Nähe. Ich schätze das.

Herr Tino Springsguth wird in gewohnter Weise sicher und humorvoll diese Mitgliederversammlung leiten. Ein knappes Viertel der derzeit 226 sächsischen Mitglieder sind gekommen, dazu Begleiter oder ehrenamtliche Helfer, z. B. für die Kinderbetreuung. Ein umfangreicher Büchertisch bietet mannigfache Informationen, schöne von Mitgliedern gemalte Karten mindern die Angst vor der Weihnachtspost. Prima.

Die Versammlung beginnt. Der Rechenschafts- und Finanzbericht gewinnen durch Powerpoint-Präsentationen. Wir werden von den Aktivitäten des Vorstandes unterrichtet. Ich staune wieder einmal, wie viele Menschen bereit sind, Zeit und Kraft für das Gemeinwohl zu investieren. Dabei reichen die Aktivitäten von der Begleitung einzelner Menschen bis hin zu landespolitischer Arbeit. Dankeschön! Der Vorstand wird entlastet. Die dunklen Augen der "Chefin", Frau Anja Madry, strahlen.

Doch dann, was ist das? Gemurmel im Präsidium. Es fehlt was. Ich höre die Zahl 40. "Wir bitten die Mitglieder um einen Augenblick Geduld!" Weiter leise im Vorstand die Ermahnung, dass man mitten in der Mitgliederversammlung sei, und das könne doch wohl nicht wahr sein ... Abwartendes und leicht verwirrtes Schweigen im Raum. "Also es ist uns furchtbar peinlich, aber wir haben eben gemerkt, dass uns 40 Euro fehlen. Es wäre das einfachste, wir würden jetzt einen Hut herum geben, damit die Entlastung des Vorstandes bestehen bleiben kann." Man ist verblüfft und gibt eine Münze oder ein Scheinchen in den plötzlich vorhandenen Hut. "Zur Beruhigung der Gemüter teilen wir mal schnell ein Gläschen Sekt oder Kindersekt aus." Wieso ist eigentlich Sekt da? Die Verblüffung bleibt bestehen. Man wird einfach vom Geschehen mitgenommen. Ich zische noch einem Vorstandsmitglied zu: "Das gibt es doch nicht. Sie müssen doch wissen, wieso und wo das Geld plötzlich fehlt!" "Tut mir wirklich leid, wir klären das ganz schnell." Als wir den Sekt in der Hand halten, spricht Herr Springsguth: "Also, das war nur ein Gag." Ich mag's nicht glauben. "Die DGM hat doch in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag. Deshalb wollen wir Herrn Ganter, dem anwesenden Bundesgeschäftsführer, gern einen Scheck von 40 Euro mitgeben. Und wo soll das Geld anders herkommen, als von Ihnen?" Gelächter und freundlich drohende Zeigefinger! Der Vorstand ist entlastet!!

Herr Ganter ist zunächst sprachlos, dankt aber dann dem Vorstand des Landesverbandes Sachsen, der in besonders guter Weise arbeitet, nicht nur auf diese Weise. Er überbringt weiterhin Grüße aus Freiburg und stärkt damit den Rücken. Was mir aus seiner Rede am angenehmsten in den Ohren klingt ist die Absicht und Bemühung, die ambulanten Muskelzentren an den Universitätskliniken zu stärken. Was ich am lustigsten finde ist die Information, dass die DGM vielfach mit Motorradfahrerverbänden zusammen arbeitet und Unterstützung erfährt. Harley Davidson und Rollstuhl, das ist ja sonst nicht direkt verlinkt. Traurig höre ich, dass Mitglieder aus Finanzgründen ihre Mitgliedschaft beenden mussten und denke dabei: Wieso sind eigentlich in ganz Sachsen nur 226 Menschen Mitglieder der DGM?

Meine Überlegungen werden von sehr schöner und gut präsentierter Flötenmusik eines Schülers aufgenommen. Aber aus das Träumen, wir werden eingeladen, ein Lied aus Anlass des 40. DGM-Geburtstages mitzusingen, was zwei Vorstandesmitglieder dichteten. Refrain: "Es gibt ja noch so viel zu machen, damit der Wagen stets rollt." Der gelbe Wagen ist gemeint bzw. der grüne der DGM.

Persönliche Gespräche, die ich immer als ungemein hilfreich empfinde, Büchertisch, Mittagessen. Dann drei Arbeitsgruppen. Zwei behandeln den großen Themenkreis der Mobilität und Selbständigkeit (behindertengerechte Autoumbauten sowie Computergestützte Kommunikationshilfen für Menschen mit Behinderungen), aber eine nimmt auch die Zeit in den Blick wenn eben diese Selbständigkeit an ihre Grenzen kommt: Ein Notar informiert in bestens verständlicher Weise über Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen.

Mit guten Wünschen für den manchmal rauen sächsischen Winter werden wir in einen goldenen Herbsttag entlassen. In 100 km bin ich zu Hause. Und hab' mich heute so reinlegen lassen.

Friedhild Thomas